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Grußwort

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Grußwort der ehemaligen Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann

Unsere Kirche lebt davon, dass Menschen sich freiwillig engagieren. Die Arbeitsfelder, in die die Freiwilligendienste vermitteln, umfassen wichtige kirchliche Bereiche: 6500 junge Menschen pro Jahr in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen im In- und Ausland, welche Erfahrungsvielfalt wird hier erschlossen!

All das Gerede über eine unmotivierte Jugend, die sich nicht engagiert, ist unzutreffend. Denn noch immer gibt es nicht genügend Plätze für alle, die einen solchen freiwilligen Dienst leisten wollen. Das ist eine großartige Erfolgsgeschichte!

Es hat sich gezeigt, wie wichtig Freiwilligendienst für die Biographie ist, etwa mit Blick auf die Persönlichkeitsentwicklung, die Entfaltung sozialer Kompetenzen oder die Berufsorientierung. Die Freiwilligen lassen sich auf etwas Neues ein, ja, sie wollen neue Erfahrungen machen. Das ist nicht selbstverständlich. Zudem tauchen sie nicht nur kurzfristig in einen anderen Kontext ein, sondern ein ganzes Jahr. Das ist gerade für Jugendliche ein langer Zeitraum, der einen enormen Lernprozess birgt, mit allen Höhen und Tiefen. Wer die Kurzberichte einzelner Jugendlicher liest, beginnt zu ahnen, wie ein solches Jahr ein Leben lang prägen kann.

Viele junge Leute sind zudem erstmals mit den so genannten Schwachen der Gesellschaft konfrontiert: mit geistlich Armen, Behinderten, solchen, die Leid tragen, mit Kindern mit Lernproblemen, Alten. Soziales Lernen von großer Dichte ist angesagt. Und dieses soziale Lernen hat immer eine Rückwirkung auf die Persönlichkeit. Dass jeder Mensch eine eigene Würde hat und sei er in seinen Lebensäußerungen noch so eingeschränkt, das ist zu lernen im Freiwilligen Jahr. Dass die Schöpfung bewahrt werden will, dass es dazu Geduld und manche kleine Schritte braucht, das ist zu lernen im Freiwilligen Ökologischen Jahr.

Und dass außerhalb der Grenzen Deutschlands manches anders ist, dass wir über eine Fremdheitserfahrung etwas über unsere Identität erfahren, das ist zu lernen im Freiwilligen Diakonischen Jahr, für Jugendliche, die aus dem Ausland einreisen bzw. für Jugendliche, die über das Diakonische Jahr ins Ausland entsandt werden.

Dann werden Menschen neu erfahren, dass sie selig sind, die Friedfertigen und die Barmherzigen, die reinen Herzens sind und die Sanftmütigen, die da Leid tragen und die hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit. (nach Matthäus 5)

 Für das Foto: ©Foto Monika Lawrenz/ LVH